Grafik: Schillerhaus Rudolstadt

Für Kafka nach Prag. Für Schiller nach Rudolstadt

Schriftstellerin Daniela Danz ist neue Leiterin des Rudolstädter Schillerhauses

Im Januar noch war Daniela Danz als Autorin im Rahmen des Projektes "Wortklang" zu Gast im Rudolstädter Schillermuseum. Ab heute leitet sie dieses Haus, von dem sie schwärmt: "Was für ein schöner Ort, man merkt gleich, was für eine Perle das ist."
Die Thüringer Lyrikerin und promovierte Kunsthistorikerin, Jahrgang 1976, ist nicht nur eine Kennerin der Literatur, sie begeistert Leser wie Kritiker auch mit ihren eigenen Gedichten und Texten. Mehrere Preise und Stipendien, so das Thüringer Literaturstipendium, sprechen für sich. Die dreifache Mutter von Kindern im Alter von zehn, sechs und zwei Jahren, die seit ihrem Studium als selbstständige Autorin arbeitet, lebt mit ihrer Familie in Kranichfeld.
Als sie von der Ausschreibung der Stelle im Schillerhaus las, für die es insgesamt 36 Interessenten gab, schrieb sie sofort die Bewerbung. "Schiller hat auf mich eine große Anziehungskraft. Ich bin schon für Hölderlin nach Tübingen und für Kafka nach Prag gegangen. Nun also für Schiller nach Rudolstadt", sagt die junge Frau. Insbesondere die Arbeitsfreundschaft zwischen Goethe und Schiller und der Umstand, wie man als Konkurrenten auch Neid überwinden und Freundschaft pflegen kann, fasziniert sie. "Das ist ein Glücksfall. Die Einzelheiten dieses Glücksfalls sind mir erst jetzt so richtig bewusst geworden", sagt sie.
Im September jährt sich der Tag der Erstbegegnung von Goethe und Schiller zum 225. Mal. Rudolstadt wird das Jubiläum mit einer Festwoche begehen. Das Haus in der heutigen Schillerstraße 25 war in Schillers Sinne immer auch ein Haus der Geselligkeit. Diesen Ansatz will sie weiter verfolgen. Es soll nicht allein Ort der Literatur, sondern auch Ort der geistigen Auseinandersetzung sein. Ihre Kontakte als freischaffende Schriftstellerin sind dabei mehr als hilfreich.
"Warum fragen wir nicht, ob es heute ähnliche Arbeitsfreundschaften zwischen Autoren gibt und stellen diese vor", sagt die neue Leiterin. Ein anderer Vorschlag, mit dem sie bei der Bewerbung offenbar punkten konnte, war der, Rudolstädter Schüler in ein Projekt einzubeziehen und heute ungebräuchliche Worte aus Schillers Werken vor dem Vergessen zu bewahren in dem man sie beispielsweise an den Beeten im Garten des Schillerhauses verewigt. An Ideen mangelt es ihr jedenfalls nicht. Und so ist sie auch zuversichtlich, dass die Besucherzahlen des Museums, nachdem sie jetzt bei zirka 5000 im Jahr stagnierten, wieder nach oben gehen.

Aus: OTZ 6. Juni 2013

« zurück