Christine Theml, die die Schillergedenkstätte im Gartenhaus der Friedrich-Schiller-Universität-Jena betreut, berichtet über die verzwickte Liebesgeschichte zwischen Charlotte von Lengefeld, Caroline von Beulwitz und Friedrich Schiller, die in der kleinen Residenzstadt Rudolstadt ihren Lauf nahm. Im August 1789 verlobten sich Charlotte und Friedrich jedoch, und die besagte ménage à trois neigte sich ihrem Ende. Christine Theml liest aus den Briefen, die zwischen den drei Personen geschrieben wurden. Sie konzentriert sich auf die Brautbriefe von Charlotte und Friedrich, die bis zu deren Hochzeit am 22. Februar 1790 die tiefe Zuneigung beider bestätigen und spricht über Carolines verlorenen Traum.

Als Friedrich Schiller 1787 im Haus der Familie Lengefeld-Beulwitz mit Charlotte von Lengefeld und Caroline von Beulwitz zusammentraf, war er von der aufgeschlossenen geistigen Atmosphäre beeindruckt. Vor allem während des ersten längeren Aufenthaltes Schillers in der kleinen Residenzstadt wurde seine Leidenschaft für Caroline und die noch unverheiratete Charlotte geweckt.
Grußwort von Dr. Michael Davidis zur Eröffnung des
Schillerhauses Rudolstadt am 9. Mai 2009
Verehrte Gastgeber, verehrte Gäste, liebe Kollegen und Freunde vom Museum Schloss Heidecksburg und vom Rudolstädter Schillerverein:
„Thüringen ist das Land nicht, wo man Schwaben vergessen kann.“ Dieser Schillersatz enthält nur die halbe Wahrheit: Man kann und darf ihn auch umkehren. Schon Schiller selbst hat ja bei seinem ersten und einzigen Besuch in der württembergischen Heimat nach der Devise gehandelt: „Schwaben ist das Land nicht, wo man Thüringen vergessen kann“ — und ist nach wenigen Monaten nach Jena zurückgekehrt.
Hier ein Konkurrenzverhältnis zu konstruieren, ist ohnehin müßig. Verstehen wir es lieber als gemeinsame Herausforderung, dass in Thüringen und im heutigen Baden-Württemberg die meisten Wohn- und Aufenthaltsorte Schillers liegen, dass diese beiden Bundesländern auch sonst eine größere Dichte an literarischen Orten aufweisen als alle anderen, ja dass mit den dortigen Schillerstätten die Geschichte der literarischen Erinnerungsorte in Deutschland überhaupt erst begonnen hat: mit der Einrichtung von Gedenkstätten im Weimarer Wohn- und Sterbehaus und im Marbacher Geburtshaus und mit der Aufstellung der ersten deutschen Schillerdenkmäler 1839 in Stuttgart und — immerhin schon neun Jahre zuvor — in Rudolstadt.
Doch erst jetzt, fast 180 Jahre nach der Aufstellung der Büste auf der hiesigen Schillershöhe, erst durch die Eröffnung dieses Museums, wird Rudolstadt als literarischer Ort in seiner ganzen Bedeutung sichtbar. Deshalb ist heute ist ein großer Tag nicht nur für die Rudolstädter, sondern für alle Freunde der Literatur; oder, pathetischer formuliert: Heute blickt die literarische Welt auf diese Stadt. Endlich übernimmt sie im Konzert der Schillerstädte den ihr angemessenen Part. Nicht den der Ersten oder der Zweiten Geige: Die sind in unserem Orchester durch Weimar und Marbach besetzt, wobei dahingestellt bleiben kann, wer von beiden die Erste und wer die Zweite Geige spielt. Aber gleich danach kommt Rudolstadt, nämlich am Pult der Viola, genauer gesagt — und das bedarf hier keiner Erläuterung — der Viola d’amore, eines ausgesprochenen Lieblingsinstruments des 18. Jahrhunderts.
Über diese neue Virtuosin freuen sich die anderen Orchestermitglieder ganz ungemein. Hellmut Seemann hat dieser Freude für Weimar schon heute vormittag Ausdruck gegeben. Ich tue das jetzt für Marbach, und zwar in doppelter Funktion: zum einen für das Deutsche Literaturarchiv, seine Leitung, seine Mitarbeiter und seinen Trägerverein, die Deutsche Schillergesellschaft; zum anderen für den Marbacher Schillerverein und seinen Vorsitzenden, den Bürgermeister der Stadt Marbach. Die Grüße und Glückwünsche gehen also nicht nur von Museum zu Museum, sondern auch von Stadt zu Stadt und von Verein zu Verein. Dieses neue Museum ist ja nicht nur das Ergebnis einer ausnehmend klugen und geschickten kommunalen Kulturpolitik und einer nicht unerheblichen staatlichen Förderung, es ist auch die Frucht jahrelangen, unermüdlichen bürgerschaftlichen Engagements.
Eine weitere wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Projekts war, dass man sich für eine „große Lösung“ entschieden hat und dass ein Team aus ebenso kompetenten wie begeisterten Wissenschaftlern und Gestaltern zur Verfügung stand, das dem daraus resultierenden Anspruch in jeder Hinsicht gewachsen war. Die Mitglieder dieses Teams, mit denen ich während der Projektphase mehrmals eingehend diskutieren durfte, werden heute hoffentlich nicht von mir erwarten, dass ich alle Details gleichermaßen würdige. Doch an einem kann es, denke ich, nicht den geringsten Zweifel geben, nämlich daran, dass dieses Haus in seiner Gesamtwirkung ein Glücksfall für die Stadt und für die deutsche Museumslandschaft ist.
Marbach hatte beziehungsweise hat sich gerade an zwei ähnlichen Ausstellungen zu bewähren, deren Eröffnungstermine das heutige Ereignis flankieren: an der Neugestaltung von Schillers Geburtshaus, das am 2. Februar durch den baden-württembergischen Ministerpräsidenten wiedereröffnet worden ist, und an der Neugestaltung des Schiller-Nationalmuseums, das am 10. November — wie wir hoffen durch den Bundespräsidenten oder die Bundespräsidentin — wiedereröffnet werden wird. Meine Kollegen und ich würden uns sehr freuen, wenn wir Sie alle, meine Damen und Herren, gelegentlich in diesen beiden Häusern begrüßen dürften.
Wir sind aber auch froh und stolz, im Rudolstädter Schillerhaus als Hauptleihgeber zu fungieren. Das Eigentum an großen Teilen von Schillers bildlichem und gegenständlichem Nachlass bringt die ehrenvolle Verpflichtung mit sich, nicht nur für eigene Ausstellungen aus diesem Bestand zu schöpfen, sondern auch einzelne Objekte zu verleihen: an Museen, in denen sie zu noch besserer Wirkung gelangen als im eigenen Haus, an Orte, wo manches der Öffentlichkeit präsentiert werden kann, was in Marbach im Depot bliebe. Für Rudolstadt haben wir uns eine ganze Reihe kapitaler Stücke aus unserer Schillersammlung vom Herzen gerissen. Aber wir haben das wirklich von Herzen gern getan, zumal dadurch einige dieser Möbel und Bilder an ihren Herkunftsort zurückgekehrt sind.
Ich komme zum Schluss, indem ich ein Wort eines großen Schillerverehrers aus dem 19. Jahrhunderts, abwandle, des Königs Ludwig I. von Bayern. Er hat zeitlebens das Ziel verfolgt, seine Haupt- und Residenzstadt zu einem Zentrum der Kunst und Architektur auszubauen. Niemand solle — so sein berühmter Ausspruch — behaupten können, er habe Deutschland gesehen, der München nicht gesehen hat. Hier und heute, meine Damen und Herren, dürfen wir aus voller Überzeugung sagen: Niemand wird künftig behaupten können, er wisse über Schiller Bescheid, der Rudolstadt nicht gesehen hat.
Michael Davidis
Deutsches Literaturarchiv Marbach
